Chronologie einer Ebook-Veröffentlichung

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Ein erfolgreicher Launch dank Social Media

Am 01.10.2014 habe ich meinen Horror-Roman „Stufe Eins“ offiziell veröffentlicht. Seither hat er sich in den Top 500 der Amazon Charts festgesetzt. Da mir das mit noch keinem Buch zuvor gelungen ist, würde ich behaupten, dass ich beim Launch ein paar Dinge richtig gemacht habe.
Welche das waren, und wozu jeder Schritt geführt hat, möchte ich im Folgenden einmal ausführlich berichten.

Vor der Veröffentlichung

Mit welchem Schritt beginnt man am besten, wenn man eine erfolgreiche Markteinführung für ein Ebook anstrebt? Wer weiß es? Niemand? Die Klasse? Dann verrate ich es eben. Es ist das Schreiben der Geschichte, womit alles anfängt.
Klingt banal, ist aber essenziell. Ohne mitreißende Story keine Verkäufe, ohne Verkäufe keinen vernünftigen Rezensionen und ohne die … eben: Keine Verkäufe.
Ich habe mich also hingesetzt – es muss Anfang Juni gewesen sein – und habe mich gefragt, was für eine Geschichte ich schreiben will. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich eigentlich noch vor, einen weiteren Kurzgeschichtenband mit Horror-Storys zu schreiben, wie ich es schon mit „Legenden aus der Zwischenwelt“ gemacht hatte. Immerhin hat das den Lesern sehr gut gefallen und ich habe jede Menge ermutigendes Feedback bekommen.
In meiner Vorstellung war ich also ein Autor, der gut mit Kurzgeschichten klarkommt. Die „Legenden aus der Zwischenwelt“ haben sich jedenfalls um ein Vielfaches besser verkauft, als meine beiden Urban Fantasy Romane aus der Centerer-Reihe.
Aber ich erinnerte mich, dass viele Leser mir gesagt haben, dass sie wesentlich lieber Romane lesen, statt Kurzgeschichtensammlungen. Und was soll mach machen? Klar, die Leser ernst nehmen.
Die meisten meiner Kurzgeschichten hätten sowieso genug Stoff für einen Roman hergegeben. Ich hatte die Storys halt nur bis auf die Knochen abgeschält, um Kurzgeschichten daraus machen zu können. Und an genau diesem Punkt war ich nun: ich hatte die erste von mehreren geplanten Kurzgeschichten schon begonnen, als ich realisierte, dass ich daraus einen ganzen Roman machen könnte. Mehr noch ; es drängte sich geradezu auf, diese Geschichte, die ich da am Wickel hatte, nicht in das enge Korsett einer Kurzgeschichte zu zwängen, sondern ihr mehr Raum zu bieten.
Also schrieb ich einen Roman. Ich kannte zunächst nur das Setting und das Ende. Alles Andere hat sich dann im Schreibprozess ergeben. Es wurde ein ungeplottetes Buch, obwohl ich mein letztes noch akribisch durchgeplant hatte. Offenbar kommt es auf das Projekt an, ob ich mit einem detaillierten oder einem rudimentären Plan arbeite.
Sobald ich wusste, wie die Story aussehen würde, begann ich, mir Gedanken über das Cover zu machen. Ein glücklicher Zufall wollte es, dass just zum richtigen Zeitpunkt ein Premade Cover im Angebot war, das wie Faust aufs Auge zu meiner Geschichte passte. Ich erwarb das Cover, noch bevor ich die erste Fassung fertig geschrieben hatte.
Nach der Fertigstellung der ersten Fassung folgten umfangreiche Überarbeitungen. Wertvolle Dienste hat mir dabei die Software Papyrus Autor geleistet. Mein Lektor beseitigte dann noch alles, was ich in meiner Betriebsblindheit übersehen hatte. Als alles poliert war, ging das Buch an Testleser raus. Nach deren Feedback kontaktierte ich Blogger, zu denen ich schon von meinem letzten Buch her Kontakt hatte.

Countdown und schleichende Veröffentlichung

Wann soll man mir Promotion-Maßnahmen beginnen? Da es dazu keine allgemeingültigen Aussagen gibt, musste ich mich auf meine eigenen Überlegungen verlassen. Meiner Ansicht nach kann man das Publikum nicht wesentlich länger als eine Woche lang auf eine Veröffentlichung heiß machen. Das sollte also mein Zeithorizont sein.
Gute Erfahrungen hatte ich bereits mit Facebook-Events zur Buchveröffentlichung gemacht. Also wiederholte ich diese Taktik, nahm aber zwei entscheidende Änderungen zum letzten Mal vor.
Erstens erstellte ich die Veranstaltung bereits eine Woche vor dem Veröffentlichungsdatum. Der Launch war für den 01.10.2014 vorgesehen, und die Veranstaltung erstellte ich 24.09.2014. Beim letzten war ich erst zwei Tage vorher aktiv geworden. In zwei Tagen kann man nicht allzu viel Spannung aufbauen und man bekommt nicht so viele Teilnehmer zusammen, wie man gerne hätte.
Zweitens wies ich dieses Mal in der Veranstaltungsbeschreibung explizit darauf hin, dass die Teilnahme an dem Event bedeutet, mein Buch am ersten Tag zum Einführungspreis für 99 Cent herunter zu laden. Ich machte also ganz deutlich, dass ich mir von dieser Veranstaltung Verkäufe erhoffte. So konnte ich mir einigermaßen sicher sein, dass nicht am kauf Interessierte gar nicht erst auf „Teilnehmen“ klicken würden.
Von über 800 Eingeladenen Kontakten sagten 68 ihre Teilnahme zu und weitere 20 klickten auf „vielleicht“. Das war eine Zahl. Die mich hoffen ließ, mein Ziel von sechzig Verkäufen am ersten Tag erreichen zu können. Wenn die Veranstaltung selbst diese Zahl nicht generieren würde, hatte ich immer noch eine XTME Werbeaktion in der Hinterhand, die ab dem 01.10. gebucht war.
In der Woche bis zur Veröffentlichung postete ich nun täglich etwas. Am ersten Tag begann ich mit dem Cover.
Am 26.09. veröffentlichte ich den Klappentext. Diesen hatte ich zuvor in einer Facebook-Gruppe von zahlreichen erklärten Fans meines Zielgenres begutachten und auseinandernehmen lassen.
Am 27.09. kündigte ich an, noch vor der Buchveröffentlichung meinen neuen Blog vorzustellen. Diesen ließ ich seit einigen Tagen bereits professionell designen und aufsetzen. Dazu musste ich Inhalte meiner ehemaligen Homepage migrieren, zusätzlichen Content bereitstellen und meine Newsletter-Anmeldeseite im neuen Webspace anlegen.
Dann, am 29.09., also zwei Tage vor dem offiziellen Release, lud ich mein Buch bei Amazon hoch. Das war unbedingt nötig, wenn ich nicht am Release-Tag mit runtergelassenen Hosen dastehen wollte. Immerhin kann Amazon bis zu 48 Stunden benötigen, um ein neuen Ebook freizuschalten.
Als Kategorien wählte ich Horror und Science Fiction. Beide Kategorien passen sehr gut auf die Story, die man als Dystopie oder Science-Fiction-Horror bezeichnen kann. Bei den Keywords setzte ich vor allem auf den Schlüsselbegriff „Dystopie“, weil dieses Subgenre bei Amazon nicht explizit auswählbar ist, aber trotzdem jede Menge Liebhaber hat. (Tatsächlich erscheint „Stufe Eins“ bei Eingabe dieses Keywords bei Amazon bereits an vierzehnter Stelle, also auf der ersten Ergebnisseite). Wer sich die Mühe macht, sämtliche Bücher auf der ersten Ergebnisseite anzuklicken, wird feststellen, dass mit „Dystopie“ nicht gerade die schwächsten Bücher getaggt sind.
Am 30.09. war „Stufe Eins“ im Amazon Store verfügbar. Da ich aber möglichst viele Initialkäufe am 01.10. konzentrieren wollte, hängte ich das noch nicht an die große Glocke. Ich gab lediglich einigen Vorablesern Bescheid, damit sie ihre Rezensionen posten konnten, wenn sie denn wollten. Tatsächlich bekam das Buch dann auch am ersten Tag bereits eine 5 Sterne Rezension. Im Hinblick auf die am Folgeabend anlaufende XTME-Kampagne ein wichtiger Meilenstein.
Ein weiterer Vorableser gab mir die Erlaubnis, eine kurze Passage aus einer Mail von ihm an mich in der Produktbeschreibung zu verwenden. Das ist zusätzlich zur ersten Rezension ein schöner „Social Proof“, über den ich mich sehr gefreut habe.

Um trotzdem etwas auf der Veranstaltungsseite posten zu können, was die Teilnehmer interessiert und engagiert halten würde, stellte ich an diesem Abend noch wie angekündigt meinen neuen Blog vor.
Ansonsten kaufte ich selbst mein obligatorisches Testexemplar (man weiß ja nie) und wartete dann auf den großen Tag. Irgendwoher kamen an diesem Abend noch fünf weitere Käufe zusammen. Das ließ mich hoffen.

Der Tag der Tage – Die offizielle Veröffentlichung. Ein Protokoll

Mittwoch 01.10. FB-Aktion beginnt. Ich poste den Link. Parallel Bekanntgabe der VÖ-Aktion auf Ebookninja. Ebook Hunts, Bookpost und XTME. Bei XTME einfaches Werbepaket für 1 Woche gebucht.
Um 14 Uhr geht mein Newsletter an 150 Abonnenten raus.
Am Ende des Tages stehen 58 Verkäufe zu Buche. Die erste Ausleihe kommt auch rein. Um 20:35 Uhr zieht das Buch in die Top-1000 ein auf Rang 969. Horror Rang 42, Science Fiction Rang 56. Zu diesem Zeitpunkt sind die meisten Verkäufe noch nicht ins Ranking eingeflossen.
Den ganzen Tag habe ich Updates in der Veranstaltung gepostet (Ranking, etc). Teilnehmer ihrerseits posteten, wenn sie das Buch gekauft haben, wünschen mir Erfolg und sind überhaupt ganz reizend.

Die nächsten Tage – Absturz oder Konsolidierung?

Donnerstag 02.10. morgens: Rang 416 gesamt, Rang 18 Science Fiction und Rang 23 in Horror.
Eine Stunde später Rang 379 gesamt, 18 in Science Fiction und 23 in Horror. Am Ende des Tages 24 Verkäufe und eine Ausleihe.
Freitag 03.10. 28 Verkäufe und zwei Ausleihen. Vom 03.10. bis zum 05.10. habe ich den Verlauf des Rankings nicht dokumentiert. Es schwankte allerdings immer zwischen 400 und ca. 620.
Samstag 04.10. Nur 18 Verkäufe aber 5 Ausleihen.
Sonnatg 05.10. 22 Verkäufe und 4 Ausleihen.
Montag 06.10. 27 Verkäufe, 5 Ausleihen. Zweite Rezi online
Dienstag 07.10. Letzter Tag der Preisaktion. Ab morgen wird der reguläre Preis von 2,99 verlangt. Bin schon gespannt, ob die Verkäufe dann einbrechen. Auch die Werbeaktion bei XTME läuft heute aus. 22 Verkäufe, 6 Ausleihen. Gegen Mittag Rang 484 gesamt. Abend Rang 469. Rezis 3-5 online.
Mittwoch 08.10. 23 Verkäufe, 5 Ausleihen. Ab jetzt wird Geld verdient. Einen Einbruch der Verkäufe hat es nicht gegeben. Die 200 Verkäufe sind seit heute geknackt. Rang bei 463.
Donnerstag 09.10. Der Tag beginnt auf Gesamtrang 396. Zum ersten Mal seit dem Launch Tag bin ich damit in den Top 400. Am Ende des Tages habe ich heute 27 Einheiten verkauft und 4 wurden geliehen.
Freitag 10. Ich beginne den Tag auf Rang 342. Um 14:30 Uhr immer noch Gesamtrang 394. Um diese Zeit bereits 12 Stück verkauft und 2 verliehen. Dieser Tag startet stärker als die Vortage – zumindest ziehen die Verkäufe früher an.
Jetzt, da ich diese Zeilen schreibe, steht der Verkaufszeiger bei insgesamt 267 Einheiten seit dem 30.09. und bei 34 Ausleihen.
Jetzt kommt das Wochenende, und ich werde diesen Artikel kommende Woche weiter updaten.

Update 13.10.2014

Am Wochenende lief es weiterhin sehr gut für mein Buch. Die beste Platzierung war kurzzeitig Rang 300. Damit bin ich sehr zufrieden. Mir fällt allerdings auf, dass der gute Verkauf von „Stufe Eins“ nur sehr wenig Effekt in Bezug auf meine anderen Bücher hat. Zumindest kommt es mir so vor.

Ich kann das relativ gut abschätzen, da die Verkäufe von „Legenden aus der Zwischenwelt“ ein paar Tage zuvor vollkommen zum Erliegen gekommen waren. Somit beziehe ich jetzt einfach mal alle seit Veröffentlichung von „Stufe Eins“ erzielten Verkäufe und Ausleihen auf den „Spill-Over Effekt“.

Am Ende von „Stufe Eins“ steht ein Link zur Verkaufsseite von „Legenden aus der Zwischenwelt“. Dieser Link ist die einzige derzeit aktive Werbemaßnahme für die Legenden.

Also Butter bei die Fische: 335 verkäufe und 50 Ausleihen von „Stufe Eins“ binnen 12 Tagen haben im gleichen Zeitraum zu 5 Verkäufen und 5 Ausleihen von „Legenden aus der Zwischenwelt geführt. Das bedeutet, dass 393 bezahlte Einheiten von Buch A den Absatz von 10 Einheiten von Buch B verursacht haben. Über den Daumen gepeilt ergibt sich daraus, dass ca. jeder vierzigste Leser am Ende auch das nach der Geschichte empfohlene nächste Buch gekauft hat.

Dieser Mitnahmeefekt hätte also erst ab einem Absatzvolumen von um die 400 pro Tag einen nennenswerten Einfluss auf die Verkäufe von „Legenden aus der Zwischenwelt“. In diese Sphären wird „Stufe Eins“ aber aller Wahrscheinlichkeit nie vorstoßen.

Jetzt zu den nackten Zahlenvom Wochenende:

Samstag 11.10. 26 Verkäufe, 11 Ausleihen.

Sonntag 12.10.  27 Verkäufe, 6 Ausleihen

 

Kommentare (3) Schreibe einen Kommentar

  1. Lieber René,

    zunächst einmal möchte ich dir für den sehr ausführlichen Bericht über die VÖ deines eBooks danken. Das gesamte Prozedere nachzumachen rate auch ich jedem anderen, der über die Möglichkeiten verfügt und sich im WWW etabliert hat. Dazu gehören viele FB-Friends, viele E-Mail-Friends und viele andere Leute, die das soziale Umfeld hergibt. Viel Erfolg wünsche ich dir in jedem Fall.

    lG
    Lutz

    Antworten

    • Du sprichst etwas Wichtiges an: „Dazu gehören viele FB-Friens, viele E-Mail-Friends …“
      Natürlich hat man die nicht einfach so. Auch die muss man sich mit der Zeit erarbeiten. Viele sehen den Sinn und Zweck einer intensiven Kontaktpflege nicht, weil alle auf irgendwelche Ninja-Taktiken fixiert sind, die schnellen Erfolg bringen.
      ich danke dir für den Feedback 🙂

      Antworten

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