Ruckzuck zum Gedächtniskünstler

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Dinge merken mit der Routen-Methode

Wer in Bildern denkt, macht sich das Leben leichter

Heute möchte ich Euch eine uralte, sehr simple, und dennoch hoch effektive Gedächtnistechnik vorstellen. Sozusagen die Mutter aller Gedächtnistechniken. Ich selbst übe diese Technik noch nicht besonders lang, doch bereits jetzt bin ich in der Lage, mir bis zu 45 verschiedene Dinge relativ mühelos in einer vorgegebenen Reihenfolge zu merken. Nach oben hin sind dabei – regelmäßiges Training vorausgesetzt – kaum Grenzen gesetzt.
Diese Technik kann am besten angewendet werden, wenn man sich Gegenstände merken möchte. Für Zahlen ist wieder eine andere Methode zuständig, über die ich hier sicher auch noch berichten werde. Doch nun Butter bei die Fische. Willkommen in der Welt der…

Routen-Methode

Die sogenannte Routen-Methode (auch bekannt unter „Loci-Methode“ – Loci – lateinisch = Orte) kennen wir schon von den alten Römern. Wer sich für die Geschichte dieser Methode interessiert, der sein an dieser Stelle auf Wikipedia verwiesen. http://de.wikipedia.org/wiki/Loci-Methode
Hier soll es nur darum gehen, wie sie funktioniert, und wie man sie anwendet.
Das Prinzip der Routen-Methode ist das der bildhaften Verknüpfung von Informationen. Bildhaft deshalb, weil es unserem Gehirn um ein Vielfaches leichter fällt, Bilder zu erinnern, als abstrakte Informationen, wie Sprache, Zahlen oder Symbole. Daher merken wir uns auch wesentlich leichter Bilder, die miteinander verknüpft sind, als Worte, die mit Zahlen verknüpft sind, oder umgekehrt.
Was aber hat es mit den Routen auf sich? Eigentlich ganz einfach:
Es würde uns nicht viel bringen, lediglich alle Gegenstände zu visualisieren und aus den Einzelbildern im Kopf eine Collage zu machen. Erstens hätten wir keine Gewähr, dass wir nicht das eine oder andere Ding aus unserer Liste vergessen und zweitens bieten wir dem Gehirn so keine Anknüpfungspunkte für die zu erinnernden Informationen an.
Die Routenmethode löst beide Probleme auf sehr elegante Art. Eine Route ist nämlich nichts anderes, als ein festes Bezugssystem, in das wir mühelos immer wieder neue Informationen einfügen können.
Konkret: Um eine eigene Route zu erstellen, stellt Euch am besten Eure eigene Wohnung vor. Legt einen Startpunkt fest, von dem aus ihr im Geiste alle Räume nacheinander abgeht. Habt Ihr? Dann notiert Euch diesen Startpunkt. An heute startet Ihr jedes Mal an dieser Stelle Eurer Wohnung, wenn Ihr die Routenmethode anwendet.
Seht Euch um. Welche markanten Punkte gibt es in dem Raum, in dem Ihr Euch befindet? Ein Sofa, einen Fernseher, ein Regal, oder, oder, oder? Ich bin sicher, Ihr findet viele markante Stellen. Wichtig ist nur, dass es Stellen sind, die sich nicht andauernd ändern. Einen Stuhl als Routenpunkt zu nehmen, der mal hier und mal da steht, macht keinen Sinn. Auch die Zigarettenschachtel auf dem Tisch eignet sich nicht. Die Routenpunkte müssen langfristig an einem Ort sein.
Jetzt geht Ihr den Raum, in dem Ihr Euch befindet, in Gedanken entweder im Urzeigersinn oder gegen den Urzeigersinn ab und wählt Eure Routenpunkte aus. Schreibt sie Euch auf. Noch wichtiger: Schließt die Augen, und stellt Euch den jeweiligen Routenpunkt so deutlich, wie Ihr könnt, vor Eurem geistigen Auge vor.
So schreitet Ihr jetzt jeden Raum in Eurer Wohnung ab. Jeden Raum durchquert Ihr dabei genauso, wie den ersten. Habt Ihr Euch für einen Rundgang im Uhrzeigersinn entschieden, dann macht es in allen Räumen so. Umgekehrt gilt das Gleiche: Wenn Ihr im ersten Raum gegen den Urzeigersinn gegangen seid, tut das auch in allen anderen Räumen.
Irgendwann seid Ihr durch alle Räume durch und habt Euch eine Liste der von Euch gewählten Routenpunkte geschrieben. Nummeriert jetzt die Routenpunkte durch. Wenn Ihr das gemacht habt, seht Ihr, wie viele Dinge Ihr Euch künftig mit dieser Liste werden merken können. In meinem Fall sind es zufällig 45. Natürlich könnt Ihr auch eine kürzere oder eine längere Route wählen. Die Hauptsache ist, dass Ihr den Weg Eurer Route sehr gut kennt. Statt durch Eure Wohnung könnt Ihr auch eine andere Wohnung, die Ihr kennt, einen Gang durch Euer Wohnviertel, oder irgendetwas anderes nehmen. Das Prinzip ist immer das Gleiche.
So, und was sollen wir jetzt mit dieser Liste anfangen, fragt Ihr? OK, hier kommt die Erklärung:
Diese Liste lernt Ihr auswendig. Dieses eine Mal müsst Ihr noch auf althergebrachte Weise lernen, doch danach habt Ihr ein Werkzeug an der Hand, das Euch das Lernen in Zukunft deutlich erleichtern wird.
Der Sinn besteht darin, die beiden oben genannten Probleme zu lösen: Erstens habt Ihr einen festen, in der Reihenfolge festgelegten Bezugsrahmen für die Ablage Eurer Informationen, und zweitens habt Ihr die Gewissheit, dass Ihr keinen zu merkenden Gegenstand vergessen oder überspringen könnt, wenn Ihr die Route im Geiste Punkt für Punkt abgeht.
Der Trick, um sich z.B. eine Einkaufsliste anhand der Route zu merken, sieht folgendermaßen aus:
Sagen wir, Ihr wollt morgen in den Supermarkt und folgende Dinge einkaufen: Eier, Cola, Toilettenpapier, Rohrreiniger, Smarties, Brot, einen Hammer, Müllbeutel, ein Feuerzeug, Deo, einen Blumenstrauß und Batterien.
Sagen wir weiterhin, die ersten zwölf Routenpunkte, Eurer eigenen Route sähen so aus:

1. Sofa
2. Wohnzimmertisch
3. Hängelampe überm Tisch
4. Stehlampe neben dem Sofa
5. Fernseher
6. Ohrensessel
7. Vitrinenschrank
8. Aquarium
9. Esstisch
10. Gemälde an der Wand
11. Abfalleimer in der Küche
12. Kaffeemaschine

Was machen wir damit? Richtig, wir arbeiten jetzt mit bildlichen Verknüpfungen. Dazu legen wir den ersten Gegenstand unserer Einkaufsliste am ersten Routenpunkt ab. Bevor wir anfangen: Je skurriler und merkwürdiger ein Bild ist, desto lieber merkt es sich unser Gehirn. Ungewöhnliches merken wir uns leichter.
Los geht’s es:
Wir schauen auf das Sofa. Was für eine Sauerei! Irgendein Chaot hat lauter rohe Eier unseren Sitzplatz geworfen und jetzt trieft das ganze Sofa vor lauter Eidotter und Eiweiß, das in die Polster einzieht und auf den Boden kleckert.
Als unser geschockter Blick sich vom Sofa abwendet, sehen wir mit Schrecken, dass der selbe Chaot auch eine große Flasche Cola auf dem Wohnzimmertisch umgeworfen hat. Der ganze Tisch ist voller Cola, und natürlich ist mindesten die Hälfte auch schon auf den Fußboden gelaufen, wo sie sich mit der Eierpampe vermischt.
Von der Hängelampe über dem Wohnzimmertisch hängen lange Bahnen Klopapier herab. Wie irre Girlanden baumeln sie dort und natürlich hängen ihre Enden bis in die Cola-Pfütze auf dem Tisch. Eine wilde Party muss stattgefunden haben, als wir nicht zu Hause waren.
Wir wenden uns angewidert ab. Unser Blick fällt bang auf die schöne Stehlampe. Was ist das? Sie sieht vollkommen ramponiert aus. Der Schirm hat Löcher und der Lampenfuß sieht aus wie abgebeizt. Kein Wunder! Am Fuß der Lampe steht eine offene Flasche Rohrreiniger, aus dem giftige Dämpfe aufsteigen. Da hat jemand das falsche Mittel genommen, um die Lampe zu putzen.
Wie zum Hohn springt der Fernseher an und ein fröhlicher Werbespot verspottet uns: „Viele, viele bunte Smarties“ singt ein Kinderchor und freut sich des Lebens. Uns ist gar nicht zum Lachen zumute.
Doch wir sind nicht die Einzigen, die deprimiert sind. Im Ohrensessel sitzt Bernd das Brot und blickt uns traurig an. Dann wird er plötzlich sauer, reißt einen Hammer in die Höhe und schleudert ihn in unseren schönen Vitrinenschrank, dessen Scheiben in tausend Scherben zerbersten. Schlimmer kann es jetzt ja kaum noch kommen.
Doch dann sehen wir, dass in unserem Aquarium ein Loch ist. Das Wasser ist schon fast vollständig abgelaufen. In Panik greifen wir uns einen Müllbeutel, um darin etwas Wasser aufzufangen. Da hinein packen wir unsere armen Fische. Wenigstens das ging gut.
Im selben Moment hören wir ein beunruhigendes Knacken vom Esstisch her. Wir sehen hin und entdecken ein überdimensionales Feuerzeug, das beginnt, ein Eigenleben zu entwickeln.
Plötzlich schießt eine Flamme aus dem Feuerzeug hervor und setzt das schöne Gemälde an der Wand in Brand. Wir wollen es natürlich löschen und greifen uns das Deospray. Schlechte Idee! Dadurch dass wir es in die Flammen sprühen, lodert das Feuer erst richtig auf. Ein kleines Häufchen Asche ist alles, was bleibt.
Resigniert kehren wir die Asche zusammen und werfen sie in den Mülleimer in der Küche. Den Blumenstrauß, den uns unsere Angebetete gestern vor die Füße war, stopfen wir gleich mit hinein. Nein, momentan läuft es wirklich nicht gut.
Jetzt einen Kaffee! Doch auch das wird nichts, denn unsere Kaffeemaschine läuft blöderweise mit Batterien, und die scheinen leer zu sein. Fein säuberlich aufgereiht stehen die leeren Batterien, die wir gestern erst entnommen haben, vor der Maschine. Hätten wir die bloß nicht vergessen!
Wenn Ihr Euch diese Geschichte schön bildlich vorgestellt habt, dürfte es für Euch jetzt kein Problem sein, alle zwölf Punkte der Einkaufsliste aus dem Kopf wiederzugeben. Probiert es gleich mal. Ihr werdet über Euch selbst staunen.
Natürlich wird es noch um einiges leichter, wenn es Eure Route und Eure Geschichte ist. Als Beispiel sollte das aber so funktionieren.
Ich hoffe, dass ich Euch Lust auf die Routenmethode machen konnte. Vielleicht beschäftigt Ihr Euch künftig ja sogar genauso begeistert mit Gedächtnistechniken, wie ich.

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