Wie die Telepathie der Centerer funktioniert

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Rupert Sheldrake – Grenzwissenschaftler im Spotlight

Von der Wissenschaft geschmäht und von seinen Anhängern gefeiert, bringt Rupert Sheldrake ein neues Buch auf den Markt. Eine Abrechnung mit dem etablierten Wissenschaftsbetrieb

In Großbritannien ist bereits ein heißer, öffentlicher Streit zwischen den streng wissenschaftsgläubigen und den holistisch, teils esoterisch denkenden Lesern ausgebrochen. Um diesen Disput einordnen zu können, gibt dieser Artikel einen Überblick darüber, wer Rupert Sheldrake ist und welche Thesen er vertritt.
Da die Theorie der morphischen Resonanz in Bereiche der Parapsychologie hineinreicht und Erklärungsansätze für Phänomene wie z.B. Telepathie anbietet, wird vermutlich der eine oder andere Leser den Thesen von Sheldrake nicht zustimmen können. Gleichwohl lohnt sich eine Beschäftigung mit diesem kontrovers diskutierten Thema.

Rupert Sheldrake – Leben und Werk. Eine Zusammenfassung

Rupert Sheldrake promovierte in Cambridge als Biochemiker und studierte darüber hinaus Philosophie in Harvard. In Cambridge arbeitete er einige Zeit als Forschungsleiter für Zellbiologie und Biochemie. Er hat also einen handfesten, wissenschaftlichen Background. Ein Umstand, der ihn von den meisten pseudowissenschaftlichen Esoterikern unterscheidet. Diese Tatsache sollten wir im Hinterkopf behalten, wenn wir uns nun ein wenig näher mit seinen Arbeiten zu der von ihm postulierten morphischen Resonanz beschäftigen.
Wir machen einen Sprung ins Jahr 1981, in dem sein erstes Werk „A new Science of Life“ erschien. Auf Deutsch ist das Buch unter dem Titel „Das schöpferische Universum“ erschienen. Darin geht es um die Theorie der „formgebenden Verursachung“. Kurz gesagt geht es darum, dass Sheldrakes Ansicht nach in der Natur sogenannte „morphogenetische Felder“ wirksam sind. Diese kann man sich als Informationsfelder analog zu den wissenschaftlich anerkannten Feldern wie etwa dem elektromagnetischen Feld vorstellen.
So wie ein Magnetfeld auf die Ausrichtung von Eisenspänen wirkt, so wirkt nach Sheldrake das morphogenetische Feld, z.B. einer Pflanze, auf die Formgebung des Ganzen und seiner Einzelteile.

Das morphogenetische Feld wäre demnach also mit dafür verantwortlich, dass eine bestimmte Blume immer so aussieht, wie sie aussieht. Genetische Informationen und deren Mutation allein hält Sheldrake nicht für ausreichend, um die Evolution eines Organismus zu erklären. Sheldrake entdeckt in der gängigen Evolutionstheorie zu viele Lücken, um sie als allererklärend annehmen zu können.
Tatsächlich kann die Evolutionstheorie in ihrer bisherigen Form noch keine befriedigende Erklärung dafür liefern, wie allein durch zufällige, natürliche Selektion so hochkomplexe Systeme wie die für das Leben fundamentalen Proteine entstehen konnten. Rein statistisch gesehen ist es nämlich nahezu unmöglich, dass sich solche Strukturen spontan und zufällig bilden. Dies gilt für jedes einzelne Protein, erst recht aber für das gleichzeitige Entstehen vieler tausend verschiedener, die auch noch in funktioneller Abhängigkeit voneinander zusammenwirken und somit Leben erst möglich machen.
Allen Gesetzen der Wahrscheinlichkeit nach dürfte es daher allein auf Grundlage der natürlichen Selektion bis heute nichts Lebendiges geben. Sollte in ferner Vergangenheit aber doch einmal ein solcher Proteinmix entstanden sein, erklärt sich immer noch nicht, warum dieser eine Zufallstreffer sogleich überlebt haben sollte und vor allem nicht, wie gleichartige Gebilde über einen längeren Zeitraum immer wieder entstanden sein können. Hier kommt Sheldrakes Idee von den morphogenetischen Feldern ins Spiel:
Nach dieser Theorie besitzt grob gesagt alles ein morphogenetisches Feld. In diesem Feld sind die Informationen über das jeweils zum Feld gehörige System gespeichert. Weiterhin stehen sehr ähnliche morphogenetische Felder untereinander in Resonanz. Ähnlich sind Felder gleicher Formen.
Das heißt, dass morphogenetische Felder zweier Menschen untereinander in Resonanz treten können, das morphogenetische Feld eines Menschen und einer Blume dagegen kaum.
Es entsteht also Resonanz mit früheren Ausprägungen der gleichen Form. Bezogen auf das Beispiel mit den Proteinen hieße das, dass der komplizierte Proteinmix bereits ein morphogenetisches Feld produziert hätte, mit dem die Felder künftig entstehender Proteine in Resonanz treten könnten. Resonanz bedeutet, dass Systeme, die sich in unterschiedlichen Schwingungszuständen befinden, einander angleichen, wenn sie in Wechselwirkung zueinander treten. Das bereits bestehende morphogenetische Feld würde also als formgebende Ursache wirken.
Damit ist die relativ komplizierte Theorie von Rupert Sheldrake zunächst in ihren Grundzügen erklärt. Eine vollständige Darstellung seiner Arbeit, zu der auch die stetige Weiterentwicklung seiner Theorie seit 1981 gehört, würde hier den Rahmen sprengen. Für einen umfassenderen Einstieg in Sherdrakes Gedankenwelt seien an dieser Stelle seine Homepage und der Wikipedia-Eintrag zu Rupert Sheldrake empfohlen.

Die aktuelle Debatte in Großbritannien

Mit seinem neuen Buch „Science Delusion“ (Der Wissenschaftswahn) hat Rupert Sheldrake eine breite öffentliche Debatte in Großbritannien gestartet.
Das Buch ist eine Abrechnung mit dem traditionellen Wissenschaftsbetrieb und wirft ihm Dogmatismus und Pseudo Religiosität vor. Ferner beklagt er, dass der Mainstream der Wissenschaft seine eigenen Forschungsergebnisse aus eben diesen Gründen ignoriere.
Besonders seine in zahlreichen Experimenten nach seiner Lesart bestätigte Erkenntnis, dass übersinnliche Fähigkeiten wie Telepathie bei Menschen und Tieren existiere, werde weitestgehend und ohne Begründung vollkommen ignoriert.
Dabei kann er unter anderem mit einiger Berechtigung darauf verweisen, dass eine Überprüfung seiner Hypothesen zumindest von einigen renommierten Experten für Quantenmechanik befürwortet wird. Sheldrake beschwert sich also nicht darüber, dass seinen Theorien kein Glauben geschenkt wird, sondern, dass man sich nicht unter Einsatz erprobter wissenschaftlicher Mittel mit ihnen befasst.
Nun kann man über Hypothesen, die Telepathie, Beeinflussung der Gegenwart aus der Zukunft und ähnliche Postulate enthalten natürlich geteilter Meinung sein, aber in einem Punkt hat Sheldrake sicher Recht: Die etablierte Wissenschaft tut sich selbst keinen Gefallen damit, abseitige Theorien einfach mit Nichtbeachtung zu strafen, statt sie im Experiment zu falsifizieren, also zu beweisen, dass sie nicht zutreffen.
Ein abschließendes Urteil zu Sheldrakes Thesen möchte ich Ihnen an dieser Stelle gern selbst überlassen. Wissenschaft lebt davon, dass Menschen selbst nachdenken, statt einfach die Meinung anderer zu übernehmen. Meine Meinung lasse ich in diesem Artikel daher bewusst außen vor.

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